Wasserwirtschaft im Wandel: Wupperverband stellt sich den Herausforderungen
07.01.2011
Mitgliedsbeiträge für Abwasserreinigung bleiben in 2011 konstant
Vorstand Bernd Wille schlug in seinem Vortrag den Bogen von der Gründung des Wupperverbandes im Jahr 1930 über das Jubiläum „80 Jahre Wupperverband“ in diesem Jahr bis zu den Herausforderungen der Zukunft.
Im Einzugsgebiet der Wupper erfüllt der Wupperverband die Aufgaben Abwasserreinigung mit Klärschlammentsorgung, Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Bereitstellung von Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung, Unterhaltung und ökologische Entwicklung der Gewässer sowie Ermittlung der wasserwirtschaftlichen Grundlagen. Dabei stellt sich der Verband den neuen Herausforderungen und Zukunftsthemen wie EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie, Klimawandel, Demografische Entwicklung, Mikroschadstoffe, Siedlungsentwässerung, Reduzierung des Energieverbrauchs und Einsatz erneuerbarer Energien, Biodiversität, Freizeit und Tourismus – lebendige Gewässer. Diese Themen bezieht der Verband in sein ganzheitliches Flussgebietsmanagement ein und berücksichtigt sie bei den Planungen und Maßnahmen in den Planungseinheiten Obere Wupper, Untere Wupper und Dhünn. Durch die Neuorganisation des Geschäftsbereichs Technik und die Benennung von Koordinatoren für die Themen Klimawandel, Energie, Demografie, Mikroschadstoffe und Artenschutz hat der Verband in 2010 organisatorische Weichen gestellt.
Die Strategien des Vorstandes zu den Themen Energie, demografische Entwicklung im Verbandsgebiet und Mikroschadstoffe wurden im Verbandsrat begleitet. „Wir sind im Verband in all diesen Themenbereichen auf einem guten Weg, aber immer noch vor ausreichend Herausforderungen“, sagt Claudia Fischer, Vorsitzende des Verbandsrats. „Die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen und weitergehenden Anforderungen an die Unternehmen sind Ihnen aus den eigenen Häusern wohl bekannt und es gilt diese als Chance positiv zu nutzen. Dennoch erfüllt uns aus dem Blickwinkel der Beitragszahler die Entwicklung gerade bei dem Thema Mikroschadstoffe durchaus auch mit Sorge. Um nicht missverstanden zu werden, der Verbandsrat des Wupperverbandes steht zum Gewässerschutz und zum Schutz der Umwelt und der Menschen vor gefährlichen Substanzen. Dennoch müssen die Fragen nach Wirkungsweise der Substanzen sowie ökologischen und ökonomischen Folgen der Eliminationsverfahren beantwortet, diskutiert und in einem transparenten Entscheidungsprozess abgewogen werden.“
Die Umsetzung der WRRL ist ein zentrales Thema beim Wupperverband. In den Planungseinheiten Dhünn und Obere Wupper wurden im Jahr 2010 bereits Projekte umgesetzt, die den Gewässern wieder mehr Natürlichkeit verleihen. Die Dhünn wurde um das Wehr des Industriemuseums Freudenthaler Sensenhammer verlegt und naturnah gestaltet. Am Eifgenbach wurde die 3. Stufe zur Absenkung des Wehrs an der ehemaligen Burscheider Talsperre vollendet. Beide Projekte sind wichtige Meilensteine, die Gewässer für Wanderfische wieder passierbar zu machen. An der Oberen Wupper hat der Wupperverband in Wipperfürth und in Hückeswagen Teilabschnitte der Wupper naturnah gestaltet. Uferbefestigungen wurden entfernt. Steine und Totholz bringen mehr Dynamik und Lebendigkeit in den Flusslauf, so dass Fische und Kleinlebewesen dort ideale Lebensbedingungen finden. Naturnahe Gewässerauen sollen zudem einen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten.
Zu den bedeutenden Projekten des Verbandes in 2010 gehörte auch die Sanierung des Wehrs am Stausee Beyenburg. Mit dem Einbau des beweglichen Teils der Anlage – der so genannten Fischbauchklappe mit einem Gewicht von 20 Tonnen – war im Juni 2010 ein wichtiger Schritt im Bauablauf vollzogen. Im August konnte der Wasserstand im Stausee bereits wieder angehoben werden. Die Bauarbeiten der Sanierung werden bis Ende des Jahres abgeschlossen. Die Kosten für das Projekt betragen rund 4 Mio. Euro. Im Frühjahr schließen sich dann noch Restarbeiten für den Bau des Fischaufstieges an, um das Wehr am Stausee Beyenburg für Wanderfische und Kleinlebewesen durchgängig zu machen.
In der Schlammverbrennungsanlage (SVA) Buchenhofen hat der Wupperverband in den letzten Monaten eine neue Dampfturbine installiert. Zurzeit läuft die Inbetriebnahme. Mit Hilfe der Dampfturbine wird Strom erzeugt. Durch die neue Turbine kann die Stromerzeugung deutlich von zuvor rund 2 Mio. kWh auf bis zu 8 Mio. kWh pro Jahr gesteigert werden. Der Strom wird zum Betrieb der SVA genutzt. Da der Verband pro Jahr maximal 6 Mio. kWh Strom weniger zukaufen muss, spart er jährlich über eine halbe Million Euro an Stromkosten. Die Kosten für die neue Dampfturbine inklusive aller Nebenanlagen betragen 3,3 Mio. Euro.
Beitragsentwicklung
Bedingt durch den demografischen und wirtschaftlichen Wandel in der Region nehmen immer weniger Menschen und Unternehmen die Leistungen des Verbandes in Anspruch. Bei der Umlage der Kosten bedeutet dies, dass immer weniger Beitragszahler dafür aufkommen und die Kosten für den einzelnen Beitragszahler steigen würden. Der Wupperverband wirkt dieser Entwicklung entgegen, indem er im Geschäftsbereich Kläranlagen und Entsorgung in 2011 bereits zum fünften Mal in Folge seinen Beitragsbedarf senkt. Die Beitragssenkung von 1,46 Prozent (978.000 Euro) auf 65.939.000 Euro führt dazu, dass die Kosten für die einzelnen Beitragszahler in diesem Geschäftsbereich konstant bleiben. Durch die Nutzung von Einsparpotenzialen beim Betrieb der Anlagen, z. B. durch betriebliche Optimierungen, und durch Erträge, z. B. durch die Mitverbrennung von externen Klärschlämmen in der SVA, ist es dem Verband trotz der demografischen Entwicklung bisher gelungen, den Ertragsrückgang bei den Mitgliedsbeiträgen zu kompensieren.
Im Geschäftsbereich Talsperren und Stauanlagen bleiben die Beiträge in 2010 wie auch in den Vorjahren seit 2005 konstant. Im Geschäftsbereich Gewässerunterhaltung werden die Beiträge um 4 Prozent (rund 100.000 Euro) auf 2.718.270 Euro erhöht. In 2008 hatte der Vorstand des Wupperverbandes mit den Gremien eine Zielvereinbarung abgeschlossen. Diese beinhaltet eine Beitragserhöhung um 4 Prozent in den Jahren 2010 und 2011 und um 3 Prozent ab 2012 zur Umsetzung der WRRL und zur Einbeziehung von Hochwasserschutzmaßnahmen.
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