Erdwärme ohne Erdbeben. In Neuenburg möchte man noch 2007 mit einem Geothermie-Projekt starten
01.03.2007
Sie haben die gesamte Branche durcheinander gewirbelt und das Vertrauen in eine noch junge Technik erschüttert: die Erdbeben in Basel '“ ausgelöst vom dortigen Geothermie-Projekt. Im Markgräflerland dürften es die Verantwortlichen jetzt noch schwerer haben, Geldgeber für ein 20-Millionen- Euro-Projekt zu finden. Die Stoltenberg Energie GmbH mit Sitz in Schleswig-Holstein plant in Neuenburg seit 2004 ein Geothermie-Kraftwerk. Sie will mit Basel nicht in einen Topf geworfen werden.
Der größte Unterschied zu Basel: Hier wird kein Wasser in die Tiefe gepumpt. Es wird nur das heraufbefördert, was natürlicherweise in lockerem Gestein bereits vorhanden ist. Hydrothermales Verfahren heißt das. Neuenburg zeigt wie viele Orte im Oberreingraben so genannte geothermische Anomalien. Das heißt, es ist hier in 2 800 Metern Tiefe bereits so heiß wie anderswo erst in 4 000 Metern. Deshalb ist der Oberrheingraben ein so günstiges Terrain für Geothermie.
Kraft-Wärme-Koppelung wird in Neuenburg zur Anwendung kommen. Aus der Energie in der Tiefe wird sowohl Strom als auch Wärme gewonnen. 2,9 Megawatt Strom und 9,6 Megawatt Wärme sind kalkuliert. Der Strom kann ins öffentliche Netz eingespeist werden. Mit der Wärme könnte ein Neubaugebiet in Neuenburg, das in Planung ist, versorgt werden oder die nahe der Bohrstelle gelegenen Industriebetriebe.
Dass besonders hohe Temperaturen unter Neuenburg herrschen, weiß man bereits seit den 70er-Jahren, als in der Gegend Probebohrungen gemacht wurden. „Damals gab es aber kein EEG“, erklärt Robert Doelling, bei Stoltenberg für das Neuenburg-Projekt verantwortlicher Projektentwickler, warum man das Energiepotenzial 30 Jahre in der Erde schlummern ließ. Für geothermisch erzeugten Strom sieht das EEG, das Erneuerbare Energien Gesetz, 15 Cent pro Kilowattstunde Einspeisevergütung vor. „Das liegt wirklich an der unteren Grenze“, sagt Doelling. Für Solarstrom wird mehr als 40 Cent bezahlt. Doelling: „Wenn wir so viel bekämen, wäre der Oberrheingraben schon voll mit Geothermie-Kraftwerken.“ 15 Cent sind nicht viel, aber über einen Zeitraum von 20 Jahren eine verlässliche Größe.
„Das ist, wie wenn eine Mücke einen Elefanten sticht. Die kann den auch nicht leer saugen“, erklärt Doelling. Soll heißen, die Menge unterirdischen Heißwassers reiche aus, das Kraftwerk weit über 20 Jahre hinaus in Betrieb zu halten. Es handelt sich um einen geschlossenen Kreislauf. Das herauf gepumpte Wasser wird, nachdem es seine Energie abgeben hat, wieder in die Tiefe zurückbefördert, wo es sich aufs Neue erhitzen kann.
Der Nachteil von Wind-, Wasser- und Solarstrom: Die Mengen schwanken, je nach Windverhältnissen, Wasserständen und Sonnenscheindauer. Geothermie ist frei von derlei Schwankungen, sie ist grundlastfähig wie Kohle- und Atomkraftwerke, doch im Unterschied zu denen CO2-frei.
„Das Hot-Dry-Rock-Verfahren befindet sich noch in der Entwicklungsphase, deswegen machen wir es nicht“, erklärt Doelling. Doch auch das Neuenburger Projekt hat seine Tücken. Die jüngst gegründete Projektgesellschaft muss 20 Millionen Euro auftreiben. Risikokapital denn bei der Bohrung weiß niemand hundertprozentig, ob sich die auf die Probebohrungen und geologischen Gutachten stützenden Prognosen bewahrheiten. Es besteht das Risiko, nicht fündig zu werden oder geringere Vorkommen vorzufinden. 20 Jahre muss das heiße Nass permanent aus der Tiefe sprudeln. Ob das in der Praxis tatsächlich so reibungslos funktioniert, vermag auch Doelling nicht zu garantieren. Oder ob nicht auch hier tektonische Störungen 'wenn sie auch keine Erdbeben auslösen' den Fluss nach oben stören und beeinträchtigen.
Neuenburg reserviert schon seit Jahren an der A5 ein städtisches Grundstück für das Kraftwerk. Und es unterstützt Stoltenberg auch bei Behördengängen und bei der Suche nach Investoren. Schuster nennt es eine 'Alternative zu Fessenheim', aber auch ein Projekt, das 'nicht aus der Region allein heraus finanziert werden kann'.
Quelle: Hans Christof Wagner - Der Sonntag/ Badische Zeitung (Open PR)
Weitere Informationen und Kontakt:
Stoltenberg Energie GmbH
Große Mühlenstr. 45
24217 Schönberg
Tel.: 04344-4110-0
Fax: 04344-4110-20
E-Mail:info@stoltenberg-energie.de
Internet: http://www.stoltenberg-energie.de
More News and Articles
07.08.2025
News
Kanalgipfel 2025: Netzweite operative Bedarfsplanung mittels individuellem Sanierungskosten- und Entscheidungsmodell
Die Entwässerungssysteme unserer Städte sind ein wesentlicher Bestandteil des kommunalen Anlagevermögens. Die große Zukunftsaufgabe, …
26.05.2025
News
Kanalgipfel 2025: Smart Processing – mit KI-Technologien von der Kanalinspektion bis zur Sanierungsstrategie
Die Entwässerungssysteme unserer Städte sind ein wesentlicher Bestandteil des kommunalen Anlagevermögens. Die große Zukunftsaufgabe, …
12.05.2025
News
Kanalgipfel 2025: Stand der Kanalsanierung in Deutschland – Eine kritische Betrachtung
Die Entwässerungssysteme unserer Städte sind ein wesentlicher Bestandteil des kommunalen Anlagevermögens. Die große Zukunftsaufgabe, vor der viele Kommunen …
28.08.2024
News
ITpipes Secures $20M to Transform Water Infrastructure Management
ITpipes announced it has secured $20 million in equity financing from Trilogy Search Partners and Miramar Equity Partners.
Known for its trusted and user-friendly platform, ITpipes …
26.08.2024
News
Professor Dr.-Ing. Dietrich Stein
With deep sadness we announce the loss of our founder and partner Prof Dr Dietrich Stein at the age of 85.
Engineers around the globe are thankful for his dedication to the inventions in the fields of sewers, …
26.08.2024
News
PPI Releases New Installation Guide for PE4710 Pipe
PPI’s MAB-11-2024 Covers HDPE Water Pipelines Up to 60-in. Diameter and 10,000-ft Long Pulls
Developed by the Municipal Advisory Board (MAB) – and published with the help of the members of the …
23.08.2024
News
Faster wide-scale leak detection now within reach
Mass deployment of connected leak loggers is being made possible by the latest technology, writes Tony Gwynne, global leakage solutions director, Ovarro
Water companies in England and Wales are …
21.08.2024
News
Kraken awakens customer service potential in water
The innovative customer service platform Kraken has made a successful transfer from energy to water. Ahead of their presentation at UKWIR’s annual conference, Portsmouth Water chief executive …
19.08.2024
News
Predicting the toxicity of chemicals with AI
Researchers at Eawag and the Swiss Data Science Center have trained AI algorithms with a comprehensive ecotoxicological dataset. Now their machine learning models can predict how toxic chemicals are …
16.08.2024
News
Goodbye water loss: Trenchless pipe renewal in Brazil
Pipe renewal in Brazil
How do you stop water loss through leaks in old pipe systems without major environmental impacts and restrictions? The answer: with trenchless technology, or more precisely …
14.08.2024
Fachartikel
Impact of high-temperature heat storage on groundwater
In a recently launched project, the aquatic research institute Eawag is investigating how the use of borehole thermal energy storage (BTES) affects the surrounding soil, the groundwater …
12.08.2024
News
Watercare completes East Coast Bays sewer link
Watercare has successfully finished the final connection on the East Coast Bays link sewer at Windsor Park in New Zealand.
Much of the East Coast Bays sewer link was installed using horizontal directional …
