„Das Thema Asbest wird uns noch lange beschäftigen“

06.12.2022

Nachbericht zur 19. Münchner Runde 2022

Nach der Münchner Runde ist vor dem nächsten Expertenforum zur Kanalsanierung. So liegen bereits zahlreiche Anmeldungen zum Branchenevent 2023 vor. Die Fachtagungsreihe steht für Fachaustausch auf hohem Niveau und brachte auch zur 19. Ausgabe im Oktober 2022 in Fürstenfeldbruck wieder spannende Vorträge und engagierte Diskussionen auf die Bühne. Auf besonderes Interesse stieß dabei das brisante Thema Asbestsanierung, und wie Drohnen für die Kanalinspektion eingesetzt werden können.

Sehr zur Freude der „Glücklichen“, die einen Platz „ergattern“ konnten, fand der beliebte Stammtisch am Vorabend der Münchner Runde – nach Corona-bedingter Verlegung ins Restaurant im letzten Jahr – heuer wieder im Klosterstüberl statt. Die insgesamt 280 Teilnehmer der Fachtagung fühlten sich sichtlich wohl im Veranstaltungsforum Fürstenfeld mit seinem ansprechenden Ambiente und lobten das Organisationsteam: Die Münchner Runde wurde „bestens vorbereitet“. Eine „tolle Idee“ war zudem die „Kanaldeckel Challenge“: Über die Aktion in den sozialen Medien im Rahmen des Branchenevents kamen viele Motive von originellen Kanaldeckeln aus verschiedenen Epochen und europäischen Ländern zusammen.

Viel Zuspruch gab es auch für das neue Format bei den Firmenpräsentationen im Foyer und in der Tenne sowie bei den Live-Demonstrationen von Geräten und Anlagentechnik im Außenbereich des ehemaligen Klosters in Fürstenfeldbruck, das zu den bedeutendsten Kulturzentren Bayerns zählt. Der Interviewer Christian Reim arbeitete früher in der Kanalsanierung und ergänzte hier ideal das Conférencier-Duo, Prof. Dr.-Ing. F. Wolfgang Günthert und Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler. Mit einem Filmteam war der Branchenkenner im Ausstellerforum unterwegs und interviewte viele Unternehmen und Verbände. Die entstandenen Portraits informieren über Produkte und Dienstleistungen. Zu Beginn der Nachmittags-Sessions konnten sich auch wieder sechs Firmen im Fünf-Minuten-Takt auf der Konferenzsaalbühne vorstellen. Das Video von Alex Schelbert mit weiteren Impressionen von der 19. Münchner Runde 2022 ist auf der Homepage www.muenchner-runde.de zu sehen.

Professor F. Wolfgang Günthert (Deutscher Expertenrat für Umwelttechnologie und Infrastruktur e. V.) ging in seiner nachdenklich stimmenden Einführung auf die Wichtigkeit von Wasser für das globale Gesamtgefüge ein: Wie wäre es, wenn wir keine Kanalisation hätten, kein Wasser aufbereiten und keine Kanäle sanieren würden? Kanalsanierung sei gerade auch in Krisenzeiten eine wichtige Aufgabe, um gesunde Lebensbedingungen zu erhalten. Laut einer Zuhörerin „holte Günthert die Leute ab“ und zeigte auf, welche Schlüsselfunktion die Branche bei der Bewältigung gegenwärtiger und zukünftiger Herausforderungen hat. Es geht um den nachhaltigen Schutz des Klimas und der Umwelt.

Dr. Kurt Müller (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz) stellte die wesentlichen Inhalte und Änderungen der Eigenüberwachungsverordnung (EÜV) und damit neue Vorgaben für die Kanalüberwachung vor. Die EÜV ist mittlerweile 27 Jahre alt und muss dringend aktualisiert werden. Vorgesehen sind Anpassungen an die aktuelle Rechtslage, Vereinfachungsmöglichkeiten und eine Stärkung der Eigenverantwortung der Anlagenbetreiber. Einzelfallgerechte Lösungen sollen dadurch unterstützt und die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden. Bezüglich Vollzugsdefizite bei der Kanalüberwachung, wurde ein fachlich abgestimmtes Konzept als Grundlage für das bevorstehende Verordnungsverfahren erarbeitet.

Uwe-Christian Huber (Sachverständigenbüro & Planungsbüro für Kanaltechnik) befasste sich mit den Herausforderungen bei der TV-Inspektion von Grundstücksentwässerungsanlagen (GEA). Dabei beleuchtete der Experte auch die Möglichkeiten, Drohnen zur Sichtprüfung und Zustandsermittlung im Kanalsystem einzusetzen. Anwender unter den Tagungsteilnehmern berichteten dazu ihre Erfahrungen mit Kanaldrohnen. Technisch klappe die „Befliegung“ erstaunlich gut. Die Gewinnung von Daten erfordere aber professionelle Software. Ein weiteres Thema, das Uwe-Christian Huber behandelte, war die Rückstausicherung bei GEA.

Jens Backhof (Bayerisches Landesamt für Umwelt) informierte über das neu entwickelte HSA-Normalverfahren, das erstmals die Dichtheitsprüfung in Betrieb befindlicher Abwasserdruckleitungen ermöglicht. Die Prüfung erfolgt dabei in Anlehnung an die Prüfung neuer Trinkwasserleitungen (nach DIN EN 805) unter geändertem Prüfdruck – mit etwas mehr als dem Betriebsdruck. Zur Durchführung der Dichtheitsprüfung, sind jedoch bauliche Voraussetzungen zu schaffen und die Druckleitung (ausreichend) luftfrei zu bekommen.

„Das Thema Asbest wird uns noch lange beschäftigen“, ist Matthias Meier (Gewerbeaufsichtsamt der Regierung von Niederbayern) überzeugt. Und Reinhild Haacker (RSV – Rohrleitungssanierungsverband e. V.) pflichtete ihrem Vorredner bei: „Es gibt noch viel zu tun.“ Asbestzementrohre sind bundesweit als Abwasser- und Trinkwasserrohre im Einsatz. Allein in Bayern sind circa 5000 Kilometer Asbestzementrohre verlegt. Für Reinhild Haacker ist die Entsorgung von Asbestabfällen nicht zu Ende gedacht. Deponien sind für die RSV-Geschäftsführerin keine praktikable Lösung.

Matthias Meier stellte zuvor fest, dass der Bestand an asbesthaltigen Rohrleitungen in die Jahre gekommen ist. Asbest wurde früher absichtlich zugesetzt, um die Materialeigenschaften zu verbessern. Die Verwendung von Asbestzement-Rohrleitungen wurde in den 1970er Jahren zum Teil sogar gefördert. Das Inverkehrbringen ist seit 1993 verboten. Altbestand darf allerdings bis zum Ablauf der Nutzungsdauer verwendet werden. Als gefährlicher Stoff fällt Asbest unter die europäische Chemikalienverordnung REACH und die deutsche Gefahrstoffverordnung.

Im Falle des Ablaufs der Nutzungsdauer gilt ein Instandhaltungsverbot. Bevor aufwändige Instandhaltungsmaßnahmen an Asbestzement-Rohrleitungen durchgeführt werden, ist dieser Sachverhalt zu berücksichtigen. Jede größere Instandhaltungsmaßnahme an einer AZ-Rohrleitung ist mit mehr oder weniger hohen Kosten verbunden. Der immer noch anstehende endgültige Abbruch des Asbesterzeugnisses ist damit nicht aufgehoben, sondern nach Ansicht von Matthias Maier nur zeitlich nach hinten verschoben. Bei den weiterhin anfallenden Instandhaltungsmaßnahmen an verbleibenden AZ-Rohrleitungen müssen höhere Folgekosten in Kauf genommen werden, weil für entsprechende Asbest-Tätigkeiten höhere Anforderungen gelten.

Darüber hinaus ist zu beachten, dass das Risiko der Gesundheitsgefährdung durch mögliche Asbest-Freisetzungen bei jeder Tätigkeit an der Asbestzement-Rohrleitung bestehen bleibt. Das Thema Asbest entfällt erst mit der endgültigen Beseitigung der Asbestzement-Rohrleitungen, fasste Matthias Meier zusammen. Den Vorträgen „Umgang mit Asbestzement-Rohrleitungen“ (M. Meier) und „Asbestfaserzementrohre – Stand der Dinge in Bayern“ (R. Haacker) folgte eine lebhafte Diskussion mit vielen Wortmeldungen aus dem Publikum.

Nach der Mittagspause und Firmenvorstellung, die von Professor Bert Bosseler (IKT gGmbH), moderiert wurde, präsentierte Rico Pfeifer (Stadtentwässerung und Umweltanalytik, Nürnberg) ein Praxisbeispiel für die Kanalsanierung mittels GFK-Einzelrohrlining. Prof. Dr.-Ing. Gerald Steinmann (DWA Landesverband Bayern) erläuterte anschließend die neuen technische Regelwerke von DWA und RSV zur Kanalinstandhaltung. Dazu liegt ein umfassendes Bündel von Arbeits- und Merkblättern der beiden Verbände vor. Eingeflossen sind auch die Empfehlungen des VSB – Verband zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme.

Der Wunsch und die Wirklichkeit beim Einbau von Großprofil-Linern widersprechen sich oft. Das verdeutlichte Christian Mühlhöfer (Swietelsky-Faber GmbH) in seinem Vortrag: Die Planung muss die Machbarkeit und Risiken berücksichtigen. Neue Techniken ermöglichen die Sanierung noch größerer Profile.

Zu guter Letzt hinterfragte Dr. Juliane Thimet, was unsere Kommunen im Sanierungsbereich drückt. Vor welchen Hindernissen im Sanierungsbereich stehen Abwasserentsorger und welche Lösungen brauchen sie? Die Stellvertreterin des Bayerischen Gemeindetags grenzte hier die Zuständigkeiten ab und zeigte anhand der heutigen Regelungen im Wasserhaushaltsgesetz und in der Entwässerungssatzung auf, wie der Rechtsbaukasten funktioniert.
Die Fachtagungsreihe Münchner Runde – Expertenforum zur Kanalsanierung hat die Zukunft eines bedeutenden Wirtschaftsbereichs im Blick. Hier trifft sich die Branche zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Kanalisation und Kläranlagen zählen zur kritischen Infrastruktur, die es zu erhalten gilt. Abwasserentsorgung ist systemrelevant und die unterirdische Infrastruktur weist einen hohen Instandhaltungs- und Modernisierungsbedarf auf. Dazu wird es auch 2023 wieder eine spannende Veranstaltung geben. Die Planungen laufen bereits:

Die 20. Münchner Runde findet am 12. Oktober 2023 statt.

Veranstalter ist das Ingenieurbüro Dörschel (Inning am Ammersee) in Kooperation mit dem DWA-Landesverband Bayern. Veranstaltungsort ist das Veranstaltungsforum Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck.

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