Neue IKT-Studie. Schachtbeschichtung ist geeignetes Sanierungsverfahren.

29.08.2006

Aber: Häufig treten Ausführungsmängel auf. Die Lösung: Neutrale und unabhängige Qualitätsprüfungen auf der Baustelle. Bei der Sanierung von Abwasserschächten sind Beschichtungsverfahren eine kostengünstige Alternative zum Neubau. Das Sanierungsergebnis ist allerdings sehr stark von der Ausführung auf der Baustelle abhängig.

Dies zeigt eine umfangreiche Praxisstudie des IKT, bei der 42 Schachtbeschichtungen in zwölf Städten untersucht wurden [1]. Auf Basis der Ergebnisse hat das IKT nun Prüfkriterien und Qualitätssicherungsmaßnahmen für Netzbetreiber entwickelt, mit denen Ausschreibungstexte und Vertragsbedingungen optimiert sowie die Qualität von Schachtbeschichtungen direkt auf der Baustelle festgestellt werden können.
Sanieren, aber wie?
Für die Renovierung von großflächigen Schäden oder Undichtigkeiten können Auskleidungs- und Beschichtungsverfahren eingesetzt werden. Rund 12 % der rund zehn Millionen Schächte in Deutschland eignen sich nach Einschätzung der öffentlichen Netzbetreiber grundsätzlich für eine Sanierung im Beschichtungsverfahren [2]. Dies entspricht einem Marktpotenzial von rund 2,7 Milliarden Euro. Bislang bestehen allerdings große Unsicherheiten hinsichtlich der Einsatzgrenzen der angebotenen Verfahren und der Dauerhaftigkeit der Sanierungsergebnisse.
Die Praxisstudie
Das IKT wählte eine sehr praxisorientierte Vorgehensweise, um den wesentlichen Qualitätseinflüssen bei der Ausführung von Beschichtungsmaßnahmen auf die Schliche zu kommen und gleichzeitig die Einsatzmöglichkeiten oder Einsatzgrenzen der einzelnen Verfahren auszuloten:

Vor-Ort-Maßnahmen
42 Beschichtungsmaßnahmen bei zwölf Netzbetreibern wurden begleitet und dabei umfangreiche Qualitätsprüfungen über einen Zeitraum von mehreren Monaten durchgeführt. Zum Einsatz kamen Mörtelbeschichtungen und Beschichtungen aus Polyurethan. Alle marktrelevanten Verfahren wurden berücksichtigt.

Laborversuche
Als Ergänzung zu diesen Vor-Ort-Maßnahmen wurden Versuche in den Laboren und Versuchsständen des IKT durchgeführt, um zum Beispiel die Auswirkungen von intensiven Verkehrslasten auf einen beschichteten Schacht zu simulieren.

Spezielle Fragestellungen
eiterhin untersucht wurde die Mindesthaftzugfestigkeit von Beschichtungen, Auswirkungen von alternativen Vorbehandlungstechniken, der Einfluss des Außenklimas auf die Aushärtung von Mörtelbeschichtungen und die Verbundwirkung der Beschichtungen mit anderen Materialien.
Qualitätssicherung notwendig
Die Ergebnisse der Praxisstudie zeigen: Beschichtungsverfahren sind grundsätzlich geeignet, die Dichtheit und Funktionsfähigkeit von Mauerwerks- und Betonschächten wiederherzustellen. Eine gute Alternative zum Neubau des Schachtes stellen diese Verfahren vor allem dann dar, wenn schwierige Geometrien oder zahlreiche Zuläufe im Schachtkörper vorliegen und eine kurze Bauphase erforderlich ist.

Vor dem Hintergrund der positiven Laborergebnisse überraschte die IKT-Forscher allerdings, dass die Baustellenergebnisse hinter den Erwartungen zurückblieben:
  • Bei rund 2/3 der untersuchten Mörtelbeschichtungen lagen Mängel wie Risse, Hohlstellen, Fehlstellen oder Undichtigkeiten vor. Bei nur einem Viertel der untersuchten Mörtelbeschichtungen konnte ein Haftverbund zur Schachtwandung gemessen werden, der die Anforderungen der maßgeblichen Richtlinien erfüllte. Vor allem in Betonschächten wurde häufig ein sehr geringer Verbund zum Untergrund festgestellt.
  • Mehr als die Hälfte der untersuchten Polyurethan-Beschichtungen zeigten Mängel wie Hohlstellen, Blasen oder Fehlstellen. Probleme scheinen hier vor allem sehr nasse Untergründe zu verursachen.
Es zeigte sich, dass nicht die Verfahren an sich, sondern vor allem Ausführungsfehler bei der Beschichtung die Hauptursache für eine geringe Sanierungsqualität sind. Auch die Untergrundvorbereitung ist in vielen Fällen nicht ausreichend. Speziell die derzeit übliche Vorreinigung mit Wasserhochdruck scheint nur bedingt zur Vorbereitung einer Beschichtungsmaßnahme geeignet zu sein.
Mehr Sicherheit für den Auftraggeber
Schlussfolgerung: Um die Vorteile der Verfahren nutzen zu können, ist eine strenge Qualitätssicherung auf der Baustelle erforderlich. Dazu sollte der Auftraggeber bereits in den Ausschreibungstexten und Vertragsbedingungen sehr deutlich machen, dass es ihm auf Qualität ankommt und er diese auch streng durch ein neutrales und unabhängiges Prüfinstitut überprüfen lässt.
Das IKT hat hierfür auf Basis der gesammelten Erfahrungen Hinweise zur Qualitätssicherung erarbeitet, die Netzbetreiber für die Ausschreibung, Bauüberwachung und Abnahme von Sanierungsmaßnahmen im Beschichtungsverfahren nutzen können. Diese Hinweise sowie weitere interessante Ergebnisse sind im Endbericht zu der Studie [1] nachzulesen, der kostenlos von der Homepage des IKT-Institut für Unterirdische Infrastruktur (www.ikt.de) heruntergeladen werden kann.
Neue IKT-Prüfleistungen
Zusätzlich bietet das IKT den Netzbetreibern Prüfungen an, mit denen die Qualität von Schachtbeschichtungen direkt auf der Baustelle festgestellt werden kann. Die Vor-Ort-Prüfungen sichern dem Auftraggeber:
  • Höhere Qualität durch ein voraussichtlich höherwertiges Sanierungsergebnis,
  • Investitionssicherheit durch eine Vermeidung oder frühzeitige Aufdeckung von Folgeschäden und
  • Langfristige Kostenreduzierung durch Erfahrungen für zukünftige Sanierungsmaßnahmen an Schächten
Die folgenden Prüfleistungen werden ab sofort von der neutralen und unabhängigen IKT-Prüfstelle angeboten:

Standard-Prüfungen
  • Beurteilung der Untergrundvorbereitung
    Eine Schachtbeschichtung steht und fällt mit der Vorbereitung des Untergrundes. Dieser ist in jedem Fall vorzubehandeln, damit zwischen ihm und der aufzubringenden Beschichtung ein fester und dauerhafter Verbund erzielt werden kann. Die Abreißfestigkeit ist die maßgebende Kenngröße zur Beurteilung der Untergrundvorbereitung.
  • Haftzugfestigkeit der Beschichtung
    Ein guter Verbund zwischen Beschichtung und Untergrund ist die Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige und dauerhafte Sanierung. Die Haftzugfestigkeit ist die maßgebende Kenngröße zur Beurteilung dieses Verbundes.
Erweiterte Prüfungen
  • ZTV Schachtbeschichtung
    Um Sicherheit bei der Ausschreibung der zu erbringenden Leistungen zu erhalten, berät das IKT individuell bei der Erstellung von Ausschreibungstexten und gibt Hinweise für Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen
  • Baustellenbegleitung und -beurteilung
    Für Dokumentation und Qualitätssicherung werden sämtliche Vorgänge auf der Baustelle kontrolliert und bewertet. Als Ergebnis entsteht ein umfassender, bebilderter Prüfbericht.
Die Prüfungen können die Auswahl von geeigneten Verfahren und Produkten im Vorfeld einer größeren Baumaßnahme unterstützen, zum Beispiel durch die Ausführung von Musterschächten. Während der Ausführung der Baumaßnahme sichern die oben genannten Prüfungen die Einbauqualität. Selbstverständlich können die Prüfungen bei sehr großen Bauvorhaben auch stichprobenhaft an einzelnen Schächten ausgeführt werden.

Interessierte Netzbetreiber können unter http://www.ikt.de/schachtsanierung ein konkretes Angebot für Ihre Baumaßnahme anfordern.
Literatur:
[1] Bosseler, B.; Puhl, R.: Beschichtungsverfahren zur Sanierung von Abwasserschächten - Studie zu Qualitätseinflüssen und Einsatzgrenzen anhand von Praxis- und Laboruntersuchungen -; Gelsenkirchen, Februar 2005

[2] Bosseler, B.; Homann, D.; Kaltenhäuser, G.: Bundesweite Umfrage zur Sanierung von Schachtbauwerken im Bereich der Abwassertechnik mittels Beschichtungsverfahren; Gelsenkirchen, Juli 2001.

Kontakt

IKT Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbHDipl.-Ing. René Puhl

45886 Gelsenkirchen

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+49 209 17806-34

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+49 209 17806-88

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