Netzmeister gut - alles gut!
31.07.2014
53 frischgebackene Netzmeister – 40 im Bereich Gas und Wasser sowie 13 im Bereich Fernwärme – nahmen am 23. Mai den Meisterbrief aufgrund ihrer erfolgreichen Teilnahme an der von der Berufsförderungswerk des Rohrleitungsbauverbandes GmbH (brbv) angebotenen Maßnahme der beruflichen Weiterbildung in Empfang.
Der Kölner Netzmeister-Lehrgang, den das brbv in diesem Jahr bereits zum 37. Mal durchführte, ist ein echtes Erfolgsmodell: Seit dem ersten Kurs im Jahr 1978 haben rund 2.000 Teilnehmer erfolgreich eine Ausbildung zum Netzmeister absolviert. Dank des breiten Qualifizierungsspektrums genießt die Bezeichnung Netzmeister in der Branche einen ausgezeichneten Klang. Deutlich wurde der Wert der Ausbildung auch im Rahmen der Feierstunde, zu welcher brbv und die Industrie- und Handelskammer zu Köln (IHK) ins Mercure Hotel Köln-West eingeladen hatten: Die neuen Netzmeister seien "zu beglückwünschen und zu beneiden", stellte Gastredner Dipl.-Ing. (FH) Fritz Eckard Lang, Vizepräsident des Rohrleitungsbauverbandes e. V., in seinem Grußwort mit Blick auf die Karrierechancen für den Nachwuchs fest.
"Qualifizierter Nachwuchs mit ausreichend Fach- und Handlungskompetenz ist massenhafte Mangelware", bestätigte rbv-Geschäftsführer Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dieter Hesselmann, und auch Referentin Stefanie Kühn, bei der Kölner IHK Leiterin Eintragungs- und Prüfungswesen Ausbildung, bescheinigte dem Nachwuchs beste Aussichten: Die neuen Netzmeister hätten sich erfolgreich einer Prüfung auf hohem Anspruchsniveau gestellt und damit den richtigen Weg gewählt.
Am Ball bleiben lohnt sich
"Bleiben Sie am Ball, bleiben Sie neugierig", riet Stefanie Kühn den neuen Netzmeistern in ihrer Begrüßungsrede. Ehrgeiz, kontinuierliches Training, Spaß und Talent seien der Schlüssel zum Erfolg – das gelte nicht nur für die in Kürze anstehende FIFA Fußball-Weltmeisterschaft, sondern auch fürs Berufsleben. Und wie im Mannschaftssport Fußball sei auch das gute Abschneiden der Netzmeister ein Erfolg, der nur mit der richtigen Unterstützung möglich sei: Dank für Engagement und Ansporn, aber auch für Zurückhaltung an den richtigen Stellen gebühre nicht nur Arbeitgebern, Partnern und Eltern der Prüflinge, sondern ebenso den Mitgliedern des Prüfungsausschusses. Deren ehrenamtliches Engagement trage entscheidend zum hohen Niveau der Prüfung und damit auch zum hohen Ansehen bei, das die Bezeichnung Netzmeister in der Branche genieße. "Sie verlangen mehr von sich als andere", so Kühn, "und diese Anstrengung hat sich jetzt bereits für Sie gelohnt."
Netzmeister: begehrt und notwendig
Dass die beruflichen Aussichten der frischgebackenen Netzmeister ausgezeichnet seien, unterstrich auch rbv-Geschäftsführer Dieter Hesselmann, der die Veranstaltung moderierte: "Dass wir hier heute so viele Leute sind, zeigt schon, dass der Abschluss Netzmeister begehrt und notwendig ist." In seiner kurzen Ansprache beglückwünschte Hesselmann die Lehrgangsteilnehmer zu ihrer Entscheidung – die rund acht Monate, die zur Prüfungsvorbereitung erforderlich seien, seien eine anstrengende und entbehrungsreiche Zeit, und das berufsbegleitende Engagement der Teilnehmer verdiene Anerkennung. Seine Hochachtung sprach Hesselmann auch den insgesamt 32 Mitgliedern des Lehrkörpers und des Prüfungsausschusses aus.
"Der Netzmeisterlehrgang ist eine Gemeinschaftsaufgabe", so Hesselmann. Da in den Betrieben derzeit noch immer Fachpersonal abgebaut werde, müsse man oft Überzeugungsarbeit leisten, um Dozenten für die anspruchsvolle Aufgabe zu gewinnen. Auch an die Jung-Netzmeister richtete Hesselmann einen Appell: "Nehmen Sie in Ihren Betrieben Einfluss darauf, dass ausgebildet wird." Das nämlich sei, ungeachtet des großen Interesses am zurückliegenden Lehrgang, auch in Zukunft dringend erforderlich: Für den im August beginnenden 38. Lehrgang lägen zwar 48 Neuanmeldungen vor, bundesweit betrachtet sei diese Zahl aber nicht ausreichend.
Ein Volk der Dämmer
Von den 53 neuen Netzmeistern haben sich 13 auf den Bereich Fernwärme spezialisiert – eine Technologie, in der Udo Wichert, Präsident des AGFW Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V. und Sprecher der Geschäftsführung der Essener STEAG Fernwärme AG, einen Schlüssel zur Energiewende sieht. In seiner Festansprache ging Wichert ausführlich auf die Bedeutung der Kraft-Wärme-Kopplung und der Fernwärme für die Energieversorgung der Zukunft und die von der Bundesregierung festgeschriebenen Ziele ein. "Die Energiewende darf nicht auf die Stromwende reduziert werden", betonte der Festredner. Die Regierung kapriziere sich zwar auf das Thema Strom, tatsächlich aber liege dessen Anteil am Primärenergieverbrauch bei gerade einmal 20 %. Der Löwenanteil liege mit 49 % bei der Erzeugung von Wärme. Die Folge sei eine Schieflage in der energiepolitischen Diskussion. Auch das Thema Wärme selbst werde falsch betrachtet. Die Neue Zürcher Zeitung habe jüngst festgestellt, aus dem Volk der Dichter und Denker sei ein Volk der Dämmer geworden.
"Dabei ist es ein allgemein bekannter Tatbestand, dass der Wärmemarkt von alten und ineffizienten Anlagen dominiert wird." Hier gelte es, Abhilfe zu schaffen – die Herausforderung laute, Kraft-Wärme-Kopplung und Fernwärme zu technisch und systemisch funktionierenden Einheiten zusammenzuführen. Wichert: "Die eierlegende Wollmilchsau muss nicht erst erfunden werden, es gibt sie bereits." Die vorhandenen Techniken dürften sich nicht kannibalisieren, sondern müssten zu leistungsfähigen Erzeugungssystemen gekoppelt werden – eine Überzeugung, in der sich der Redner im Übrigen auch auf einer Wellenlänge mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wisse.
Fernwärme rein ins Haus
"Fernwärme rein ins Haus" – das sei eine Forderung, die man nur unterstreichen könne, bekräftigte Hesselmann im Anschluss an den Vortrag: "Schließlich wird ein großer Teil der Fernwärme mit Gas erzeugt." Außerdem hob der rbv-Geschäftsführer hervor, dass der Auftritt von Festredner Wichert nicht zuletzt die langjährige gute Kooperation von rbv und AGFW dokumentiere. Überhaupt sei Zusammenarbeit im Netzwerk für den rbv ein Schlüsselbegriff: "Die Regeln, nach denen wir arbeiten, werden zunehmend in Brüssel gemacht – Europa ist nicht mehr anonym, sondern wir sind mittendrin." Dementsprechend wichtig ist es für den Rohrleitungsbauverband, gemeinsamen Interessen im Schulterschluss Gehör zu verschaffen. Zu denen zählt nicht zuletzt die Gewinnung qualifizierten Personals: "Dem Bau gehen die Leute aus", so das ernüchternde Resümee von rbv-Vizepräsident Fritz Eckard Lang, der den Anwesenden im Namen von rbv-Verbandspräsidentin Dipl.-Volksw. Gudrun Lohr-Kapfer Grüße überbrachte.
Obwohl man in der Branche gerade wieder den Rotstift ansetze, werde auch in Zukunft zunehmend gut ausgebildetes Personal benötigt. Schuld an der Schieflage sei die Politik, die keine verlässlich planbaren Maßnahmen zulasse. Lang: "Machen wir uns nichts vor: Geeignetes Fachpersonal werden wir nicht gewinnen, solange unsere Branche durch unstete Auslastung gefährdet ist." Gefragt seien Strategien und Visionen des Machbaren statt andauernder Investitionszurückhaltung wie zum Beispiel im Falle des Kanalnetzes – für dessen dringend erforderliche Sanierung zur Kasse gebeten werde schließlich der Steuerzahler, und der Aufschub der Arbeiten am wichtigen kommunalen Investitionsgut Kanalnetzinfrastruktur sei ein Raubbau zu Lasten kommender Generationen.
Im Anschluss an Langs Grußwort erhielten die Prüflinge von Kühn, Hesselmann und Lehrgangsleiter Kurt Rhode, brbv GmbH, den begehrten Meisterbrief; die fünf Jahrgangsbesten aus den Bereichen Gas/Wasser bekamen außerdem ein Präsent von der Open Grid Europe, während der AGFW die drei besten Fernwärme-Absolventen mit einem Geschenk bedachte. Einer der Top Five hatte auch das letzte Wort: Tim Kesselring, mit 21 Jahren jüngster Teilnehmer und Klassensprecher, fand lobende Worte sowohl für Lehrende als auch angehende Meister. Gemeinsam habe man viel erlebt, und sicher würden sich die frischgebackenen Netzmeister gern an die Lehrgangszeit zurückerinnern. Im Anschluss klang die Festveranstaltung mit einem gemeinsamen Mittagessen aus.
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